2008/05/26

don't drop the soap!

im bilde sein

damit, dass im zuge der verbreitung von user-generated-content über web2.0 nicht eben ein quantensprung bezüglich der qualität des zirkulierenden inhalts einhergehen würde, war zu rechnen. eher umgekehrt wird ein schuh draus. hat wohl auch niemand jemals was anderes erwartet. der ehemals monolithisch dastehende medieninhalt ist zerstoben. willkommen in der gerollwüste des stumpfsinns.

aber sei's drum, wen juckt's?! zumindest schön non-fiction, was man heute so an selbstaufgenommenem in videoportalen rumgeistert. das stichwort hier: authentizität im dokumentarfilm.

eher unbeabsichtigt nämlich dokumentiert da so einiges vor sich hin. the fly on the wall, in ihrem facettenauge sich spiegelnd das fraktale subjekt, gemeinsam verheddert im netz (man bedenke: die spinne selbst hat keine facettenaugen)...
im hinblick auf die nutzung der videofunktion von handies durchaus wert, mal drüber nachzudenken. führt jetzt aber vielleicht etwas weit, das alles.

zumindest lässt die clipkultur in zeiten von juhu-tube und quickshare vorallem in hinsicht auf diejenigen hinter den kameras tief blicken. der ganz rohe scheiss eben. le beau sauvage et son photo. sowas nennt man heute durchaus treffend net(h)nography.

wen, bzw. ob der content überhaupt interessiert ist dabei im moment der produktion zugleich unerheblich und allesentscheidend. bizarrerweise bekommt das handeln nur zu oft erst durchs moment seines aufgenommen-werdens überhaupt sinn und berechtigung.

"du bist auf 97 fotos verlinkt."

hut ab vor all denen, die es schaffen sich auf langweiligen parties zwischen dem verfertigen des 168. und 169. schnappschusses noch zu amüsieren. we're doin' it for the pics...
früher gabs für solche momente wenigstens noch die institution des filmrisses...

als ein anderes beispiel kommt einem happy slapping in den sinn. "bitte lächeln, du opfer!!!"
und wenn man nur lang genug stöbert, kann man sich die ganze aktion noch mal aus der täterrolle reinfahren. immerhin.

fast scheint es, als lautete die gegenwärtige condition humaine "nimmst du auf?!?" bzw. "geil! halt drauf!"
banksy hat das klar erkannt: wo warhol noch 15 min ruhm in aussicht gestellt hat, kann der kamerascheue schmierfink heute von einer zukunft phantasieren, in der man mal 15 minuten am stück nicht gefilmt wird. die reinste sozialutopie, sowas.

auf die frage, was er von dem aboriginellen standpunkt halte, dass mit jedem photo zugleich ein teil der seele gebannt würde und dem fotographierten somit verloren ginge entgegnet zoolander mit der durchaus berechtigten gegenfrage:
"well i guess i would have to answer your question with another question. how many abodiginals do you see modeling?"

man sollte davon ausgehen, dass menschen sich anders verhalten, wenn sie wissen, dass sie gefilmt werden. heutzutage wird irgendwie fast jeder bei fast allem gefilmt. wer nicht völlig debil ist, der weiss das. was aber folgt daraus?

exkurs: this is not a photo opportunity

ich hab neulich in der wrangelstrasse nen typ fotografiert, der vor einem café auf den bürgersteig gekackt hat. stellt sich die frage: was ist kaputter? in der wrangelstrasse auf den bürgersteig zu kacken oder in der wrangelstrasse auf den bürgersteig zu kacken zu fotografieren?



(zum bild: das olle handy hat ja nur 1.3 megapixel, aber bildrauschen ist eh das neue schwarzweiss. respektive sepia. sowas stell ich mir unter "momentaufnahmen einer neuen ästhetik" vor.)

aber immer mit der ruhe. auf die wrangelstrasse wird ja schließlich auch nicht erst seit gestern geschissen. und als statement gegen gentrification ist das im grunde geradezu verdienstvoll... emanzipatorisches scheissen in die filmende öffentlichkeit. i do give a shit. auf dass mein kiez arm aber sexy bleibe.

nun hat der typ das nicht für die kamera gemacht (anmerkung: ich kenn durchaus leute, die schon nüchtern (!) auf band in die öffentlichkeit gekackt haben - vor der ära youtube allerdings).
wenn man also (dem herren da oben müsste man eh erst den alkoholspiegel vorhalten, der zählt also nicht wirklich) davon ausgehen kann, dass heute der normalzustand darin zu bestehen scheint, dass man sich dauernd unbeabsichtigt beobachtet fühlen muss, dann lohnt ein vergleichender blick auf die telemedialen klassiker.


life's a soap, but don't tell anybody!

bei der soap verhielt es sich stets exakt andersherum: das mimende personal tut gewissermaßen absichtlich unbeobachtet was vermangels schauspielerischen talents bisweilen eben so verstörend wirken kann, wie die szenen aus dem echten alltag (bordsteinscheissen inklusive). man muss kein philosoph sein um im begriff reality-tv die tautologie zu entdecken.

die soap ist hierbei quasi als das refugium des unaufgelösten widerspruchs von realität und fiktion die brücke von der einen wirklichkeit in die andere. und kommt wohl gerade deshalb so gut an. vermimtes gelände sozusagen. wen interessiert da noch, wo sich das abspielt, was dereinst wirklichkeit geheissen worden ist.
und nicht das wir uns an dieser stelle falsch verstehen: das ist ganz großer müll und gehört nicht erst vor dem hintergrund sich ändernder gesellschaftlicher rahmenbedingungen - man verzeihe mir meine meinung - in die tonne.

just hier stellt sich nun - auch angesichts der eingangs skizzierten sachlage - die frage, welcher teufel die deppen bei myspace geritten hat, ihre neue internet soap - die ich hier aus einer ästhetischen gewissensentscheidung heraus nicht verlinkt wissen möchte - zu lancieren. das geschäftsmodell von web2.0 besteht doch meines wissens gerade darin, die inhaltserzeugung dem user zu überlassen, dabei produktionsseitig kosten zu sparen und dann hintenrum des users persönliche vorlieben und daten via ad-sense usw. zu versilbern.

die neue myspace-soap stellt ihrem format nach geradewegs eine anarcho-anachronistische kapriole dar, die einem in ihrer beklopptheit fast sympathisch seien müsste, wenn, ja wenn denn bloß nicht der content so derartig dement wäre. die wege von rupert's schergen bleiben mir diesbezüglich unergründlich.

diese myspace-soap nun schafft die quadratur des kreises, in ihrer inszenierung auf eine derart glossy art und weise billig rüberzukommen, dass jede bravo foto-love-story wirkt, als hätte lachapelle die bilder gemacht. man weiss wirklich nicht, ob man darüber lachen oder weinen soll, dass wahrscheinlich eine hand voll kreativer aus meiner nachbarschaft von diesem wahnsinn ihr essen bezahlt.

perpetuierte telemimese

ich hoffe es wird klar, worauf die überlegung zielt:

"life imitates art far more than art imitates life" konnte oscar wilde nur deshalb noch behaupten, weil 1.) ein leben in viktorianischer zeit etwas komplett anderes war als im frühen 21. jahrhundert, dabei allerdings 2.) auf das auseinanderhalten der sphären kunst und leben durchaus noch wert gelegt wurde, wenn auch gegebenenfalls bloß, um sich über diese trennung in dandyhafter pose hinwegsetzen zu können.

in diesem sinne bekommt woody allen's update dieses sinnspruchs - "life doesn't immitate art, it immitates bad television" - den realitäten seiner epoche schon näher, ist aber auch schon reichlich dated.
das fernsehen hat uns dazu erzogen, uns allein auf die entertainmentqualitäten aller wahrnehmungen, events und personen hin zu orientieren. nun sitzen wir hier mit unseren dv-cams und camera-handies, die festplatten voller jpegs und mp4s, nur einen mausklick auf den uploadbutton davon entfernt, uns selbst und unsere mitmenschen zum affen zu machen.
wie es aus dem wald heraustont, so rufen wir hinein.

diese myspace-soap wiederum stellt nur das ganze schema vom kopf auf die füße. was zuerst wie ein schritt zurück erscheint, ist tatsächlich die flucht nach vorn: da es kein zurück gibt wird stattdessen (kalkuliert?) wie bei einem parthischen manöver die allen'sche wendung nicht rückgängig gemacht, sondern perpetuiert: "bad television, immitating life that has itself been immitating bad television for too long"... beliebig wiederholbar, der ausgang so offen wie erwartungsgemäß unschön.

sich irgendwelche emanzipatorischen potenziale aus dem gesellschaftlichen fortschritt zu erhoffen ist und bleibt eben naives getue. optimismus und informationsmagel. das antlitz des menschen im medium gleicht einer fratze im spiegelkabinett, die in jeder brechung nurmehr hässlicher wird. regression ist in dieser hinsicht ein frommer wunsch. es kann einen schon nachdenklich stimmen, dass offensichtlich aller müll immer noch unterboten wird.

zu youporn möge der geneigte leser sich dann seine eigenen gedanken machen...

2008/05/22

decoding eastern imagery

"Ich fessele den Körper einer Frau nur deshalb, weil ich ihr Herz nicht fesseln kann. Nur ihre physischen Körperteile können gefesselt werden." ...




die japanische kultur ist und bleibt für mich eher undurchsichtig. irgendwo zwischen godzilla und kirschblüten gerinnt das in meinem kopf immer wieder zu den ewiggleichen klischees...
was angesichts der grundsätzlichen kurzweiligkeit des japan-stereotyps garnicht weiter schlimm wäre, eröffnete es nicht die drängende frage, was da alles in der übersetzung verloren geht.

100 sw-arbeiten aus araki's kinbaku werkgruppe - jablonka galerie

2008/05/21

lost n' found



seems to be from sao paolo. check

2008/05/20

nachgefragt...



wieso bloß sieht man dieser tage sogenannte p o r n o b r i l l e n quasi überall, ausser dort, wo man sie dem namen nach am ehesten vermuten sollte?

2008/05/17

if life were only like this



seems to me it practically is most of the time... at least for the first bit, that means.


APPENDIX:

check this out... sexy backrubs for your ears.
one, two

via U B U. well worth checking out! what a gem...

 

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